The Medusa Touch Cult British Horror Movie

Die Medusa Touch: Warum dieser vergessene britische Horrorfilm eine Wiederbelebung verdient

EINLEITUNG – „Ich werde die Kathedrale zu Fall bringen“

„Ich habe die Macht zu zerstören.“
Die Worte stammen nicht von einem Umhang-tragenden Superschurken oder einem Dämon, der durch ein Ouija-Brett flüstert – sie kommen von John Morlar, einem britischen Mann mittleren Alters, der an ein Krankenhausbett gefesselt ist, sein Gesicht grotesk verprügelt, sein Körper kaum am Leben. Und doch pulsiert noch etwas hinter seinen geschwollenen Augen. Etwas Furchtbares. Etwas Göttliches.

1978 veröffentlicht und sogleich unter „obskur“ abgelegt, ist Die Medusa Touch ein langsam brennender psychischer Schrei von einem Film – eine seltsame, schwefelige Mischung aus psychologischem Horror, Politthriller, religiöser Satire und übernatürlicher Furcht. Es ist das, was passieren würde, wenn Carrie einen Cord-Blazer tragen und in Hampstead leben würde. Wenn es bei Das Omen weniger um den Teufel und mehr um den zerstörerischen Willen des Menschen ginge.

Das ist nicht nur eine Geistergeschichte. Es ist nicht einmal streng genommen ein Horrorfilm. Es ist ein existenzieller Wutanfall – ein metaphysisches Geheimnis, das fragt: „Was, wenn reiner Hass töten könnte?“ Und noch beunruhigender: „Was, wenn dieser Hass gerechtfertigt wäre?“

Im Zeitalter von Reboots und retro-angepasster Nostalgie gibt es Filme, die eine Wiederauferstehung verdienen – nicht nur wegen ihrer unheimlichen Relevanz, sondern weil sie uns immer noch einen Spiegel für unser modernes Unbehagen vorhalten. The Medusa Touch ist einer davon. Zu seiner Zeit missverstanden und seitdem weitgehend vergessen, ist es höchste Zeit, dass diese zerebrale britische Kult-Eigenart wiederbelebt, neu bewertet und zu Recht verehrt wird.

Graben wir ihn aus. Schauen wir ihm in die Augen. Und sehen wir, ob er zuerst blinzelt.

I. Die vergessene Kraft: Was The Medusa Touch ist

Bevor die Titelsequenz zu Ende geht, liefert The Medusa Touch einen Schock: Ein Mann wird in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen aufgefunden, für tot gehalten – bis er es nicht ist. Das Opfer ist John Morlar, gespielt mit vulkanischer Stille von Richard Burton. Morlar ist ein Romancier, ein Einsiedler und – wenn man ihm glaubt – eine menschliche Waffe. Sein Anspruch? Dass er eine so starke psychische Kraft besitzt, dass er mit nichts als konzentrierten Gedanken Tod und Katastrophen verursachen kann. Erdbeben, Flugzeugabstürze, politische Attentate… all das, so beharrt er, ist der Gnade seines Geistes ausgeliefert.

Angesiedelt in einem kalten, grauen London, das sich sowohl als spirituelles Fegefeuer als auch als Stadtgebiet anfühlt, entfaltet sich The Medusa Touch durch Rückblenden, Ermittlungen und Geständnisse. Ein französischer Detektiv, Brunel (gespielt von Lino Ventura), versucht, das seltsame Leben des halbtoten Mannes zu enträtseln, und setzt dabei eine Spur der Zerstörung zusammen, die – vielleicht – Zufall ist. Währenddessen deutet Morlars Psychiaterin, gespielt von Lee Remick, tiefere Wahrheiten und dunklere Geheimnisse an.

The Medusa Touch als bloßen britischen Horrorfilm der 1970er Jahre zu klassifizieren, wäre ihm gegenüber ungerecht. Es ist ein Cocktail aus Tönen und Spannungen:

  • Ein Krimi, bei dem das Opfer der Täter sein könnte.

  • Ein Politthriller, gefüllt mit Kritik an Regierung, Krieg und Glaube.

  • Ein übernatürlicher Horror, bei dem der wahre Schrecken nicht Geister oder Dämonen sind, sondern der entfesselte menschliche Geist.

Man denke an Das Omen auf Harold Pinter-Art. Man denke an Columbo mit einem Harmagedon-Komplex.

Obwohl The Medusa Touch am Ende eines Jahrzehnts voller okkulter Paranoia und Katastrophenfilme veröffentlicht wurde, wurde er nie Teil der Ruhmeshalle des Horrors. Er wurde kein Kultliebling. Er inspirierte keine Franchise. Aber sein Einfluss hält sich wie Rauch in einer ausgebrannten Kapelle. Dies ist einer jener unterschätzten Horrorfilme, die die Zeit vergessen hat – nicht weil er gescheitert ist, sondern weil er es wagte, zu viele Dinge gleichzeitig zu sein.

Und jetzt, in einer Ära, in der apokalyptisches Denken und der institutionelle Zusammenbruch wieder auf dem Programm stehen, ist seine Zeit vielleicht endlich gekommen.

II. Die Kraft Burtons: Besetzung, Darstellung und Präsenz

Richard Burton spielt John Morlar nicht nur – er spukt in ihm.

In den späten 1970er Jahren hatte Burtons einst glamouröser Ruhm etwas Verwittertem und Abgenutztem Platz gemacht, sein Matinee-Idol-Aussehen von Jahrzehnten harten Lebens, gescheiterten Ehen und Boulevard-Spektakel gezeichnet. Es ist genau diese verwitterte Größe, die ihn für The Medusa Touch so erschreckend perfekt macht. Burton braucht keine Spezialeffekte, um psychische Kräfte anzudeuten – er ist der Spezialeffekt.

Von dem Moment an, in dem er auftaucht, strahlt Burtons Morlar die Art von stiller, brodelnder Intensität aus, die sich radioaktiv anfühlt. Seine Stimme ist ein leises, knurrendes Verachten – für die Regierung, die Kirche, die Gerichte, die Welt. Seine Augen brennen mit einem Hass, der so potent ist, dass er die Luft selbst zu gerinnen scheint. Hier gibt es kein Theaterspiel. Nur gestochen scharfe Darbietung, fest zusammengeballte Wut und die unverkennbare Aura eines Mannes, der weiß, dass er mit seinem Geist Gebäude zum Einsturz bringen kann – und es will.

Was die Darstellung so beunruhigend macht, ist, wie viel von Burton, dem Mann, durchzusickern scheint. Seine reale Desillusionierung von Ruhm, Politik und Religion findet unheimliche Echos in Morlars brodelnden Monologen. Da ist Intelligenz, Arroganz, Weltmüdigkeit und eine bittere Art von Grandezza. Man ist sich nie ganz sicher, ob man einem Mann beim Zerfall zusieht – oder einfach einem Mann, der schon immer zu viel wusste.

Aber The Medusa Touch ist keine Ein-Mann-Show. Gegenüber Burton steht der französische Schauspieler Lino Ventura als Inspektor Brunel – ruhig, skeptisch und wunderbar geerdet. Venturas zurückhaltende Darstellung liefert das notwendige Gegengewicht zu Burtons Sturm. Er glaubt nicht an Telekinese. Er glaubt nicht an Wahnsinn als Magie. Doch je tiefer er in Morlars Vergangenheit gräbt, desto mehr Risse erkennt er in der rationalen Welt.

Dann ist da noch Lee Remick als Dr. Zonfeld, Morlars Psychiaterin und widerwillige Vertraute. Elegant und zurückhaltend, verleiht Remicks Präsenz der trostlosen emotionalen Landschaft des Films eine komplexe Ebene der Empathie. Sie bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen klinischer Distanz und unterdrücktem Grauen – was auf eine Faszination für Morlar hindeutet, die an Komplizenschaft grenzen könnte.

Zusammen bilden die drei ein perfektes dramatisches Dreieck:

  • Burton, die tickende Zeitbombe.

  • Ventura, der ungläubige Ermittler.

  • Remick, die Hüterin der Geheimnisse.

Es ist diese Dynamik – knisternd vor Spannung, Intellekt und moralischer Ambiguität –, die The Medusa Touch seine seltsame Schwere verleiht. Man schaut diesen Film nicht wegen Jump-Scares oder Gore. Man schaut ihn, weil man sehen möchte, was passiert, wenn ein zerbrochenes Genie auf eine zerbrochene Welt blickt und beschließt, sie über die Kante zu stoßen.

Und mit Burton im Mittelpunkt? Man glaubt, dass er es schaffen könnte.

III. Vorahnungen und Bestrafung: Die Themen des Films

Im Kern geht es bei The Medusa Touch nicht um psychische Kräfte – es geht um psychischen Druck. John Morlar ist nicht nur ein Mann, der glaubt, dass seine Gedanken töten können; er ist eine Manifestation dessen, was passiert, wenn interne Wut zu externer Kraft wird. Seine Fähigkeiten werden nie erklärt, nie auf pseudowissenschaftliches Geschwätz reduziert. Stattdessen funktionieren sie als Metapher – für brodelnde Wut, verrottende Repression und Rache, die sich zu etwas Apokalyptischem ausbreitet.

Dies ist ein Film, der Wahnsinn nicht als Zusammenbruch, sondern als eine Form von Klarheit sieht.

Unter der Oberfläche brodelt The Medusa Touch vor Verachtung für Institutionen. Morlars Feinde sind keine Monster oder Dämonen – es sind Richter, Politiker, Priester. Er sieht Korruption im Gerichtssaal, Heuchelei auf der Kanzel und Feigheit im Parlament. Sein psychischer Terror wird zu einer gewaltsamen Abrechnung: ein Mann führt einen heiligen Krieg gegen die Systeme, die ihn im Stich gelassen haben. Es ist das Individuum gegen das Establishment, nicht mit Bannern und Protesten, sondern mit fallenden Denkmälern und brennenden Körpern.

Es gibt auch eine erschreckende Betrachtung des Schicksals und des Horrors des Denkens selbst. Morlar ist von Schuld und Misstrauen zerfressen – verursacht er Tragödien, oder sieht er sie nur voraus? Wenn man glaubt, dass eine Katastrophe eintreten wird, und es geschieht… ist man dann schuldig, sie verursacht zu haben? Oder sie nicht verhindert zu haben? Der Film bietet keine einfachen Antworten. Er schwimmt in der Ambiguität, in der moralischen Trübung eines Geistes, der sowohl Richter als auch Henker sein mag.

Und dann ist da der breitere soziale Kontext. Veröffentlicht in einem Großbritannien, das sich von der Desillusionierung der Nachkriegszeit – wirtschaftlicher Niedergang, politische Unruhen, IRA-Anschläge und nukleare Ängste – erholte, trifft The Medusa Touch direkt den nationalen Nerv. Seine Darstellung zufälliger Katastrophen, des Zerbrechens alltäglicher Zivilisation, um Chaos zu offenbaren, passt unheimlich gut zu einer Ära, die von der Angst heimgesucht wurde, dass die Welt nicht nur unterging – sondern es auch verdient hatte.

In dieser Hinsicht wird Morlar mehr als ein Mensch. Er ist eine psychische Verkörperung des apokalyptischen Karmas. Er ist das, was passiert, wenn Wut keinen Ausweg findet außer der Implosion.

IV. Vorahnungen und Zusammenbruch: Die ikonischen Set-Pieces

Den Moment, in dem die Kathedrale einstürzt, vergisst man nicht.

Es beginnt harmlos: Eine Menschenmenge von Würdenträgern und Kirchgängern versammelt sich unter den aufragenden Steinen von Londons heiligster Architektur. Eine königliche Persönlichkeit tritt vor, um zu sprechen. Der Chor singt. Und dann… passiert es. Risse in der Decke. Stein, der zittert. Panik. Das Heilige stürzt ein. Eine Kathedrale – Jahrhunderte Geschichte und Glaube – in Sekunden zu Trümmern reduziert.

Das ist The Medusa Touch in seiner opernhaftesten Form. Ein Film, der die meiste Zeit grüblerisch und intellektuell ist, explodiert plötzlich in ein atemberaubendes Spektakel.

Zuvor gibt es eine Szene, die ebenso beunruhigend, wenn auch weniger visuell grandios ist: ein Verkehrsflugzeug, das kopfüber in einen Wolkenkratzer stürzt, dessen Rumpf wie eine Sense durch Glas und Stahl schneidet. In einem Zeitalter vor 9/11 wirkte diese Bildsprache extrem. Heute fühlt sie sich prägnant an. Doch auch jetzt, Jahrzehnte später, behalten beide Sequenzen eine schreckliche, greifbare Kraft.

Was diese Szenen überdauern lässt, ist nicht CGI-Bombast – es ist der brutale Realismus praktischer Effekte. Diese wurden gebaut, nicht animiert. Modelle zerfallen, keine Pixel. Man spürt das Gewicht des Steins. Man hört das Kreischen von Metall und das Grollen des Staubs. Hier gibt es keine elegante Choreografie – nur Chaos. Schmutziges, ungeschicktes, glaubwürdiges Chaos.

Und weil die Gewalt nicht als Katharsis oder Heldentum – sondern als etwas fast Heiliges in ihrem Schrecken – dargestellt wird, bleibt sie länger haften als die meisten Blutsbäder in Horrorfilmen.

Die Zerstörung in The Medusa Touch ist nicht aufregend. Sie ist bestrafend. Die Art von Zerstörung, die sich wie ein göttliches Gericht anfühlt… außer dass das Göttliche nur ein Mann im Krankenhausbett ist, der denkt.

In diesen Momenten hört der Film auf, ein merkwürdiger Horror-Hybrid zu sein und wird zu etwas Elementarerem – einer Prophezeiung, die in fallenden Ziegeln und schreienden Menschenmengen zum Ausdruck kommt. Und für einen vergessenen britischen Horrorfilm der 1970er Jahre ist das eine verdammt starke Geste.

V. Ästhetik des Schreckens: Visuelle und tonale Meisterschaft

Visuell ist The Medusa Touch ein Film, der in Nebel und Schatten, Stein und Stille gehüllt ist. London hat selten so befremdlich ausgesehen – nicht im fantastischen, gotischen Sinne, sondern in der sterilen, bürokratischen Kälte moderner Architektur und beigefarbener Büros. Die Stadt wird zum Spiegel von John Morlars Psyche: konkret, unpersönlich, still brodelnd.

Jeder Ort ist mit einer Art emotionaler Erfrierung dargestellt. Morlars Wohnung ist spärlich möbliert, das Büro seiner Psychiaterin trotz seiner Größe klaustrophobisch. Selbst die Kathedrale – dieser angebliche Leuchtturm spirituellen Trostes – ist mit einer Distanziertheit gedreht, die sie wie ein Grab wirken lässt. Es gibt keine Wärme in dieser Welt. Keine Farbe. Keinen Trost. Nur das leise Summen eines zurückhaltenden Horrors.

Kameramann Arthur Ibbetson (Anne of the Thousand Days, Willy Wonka & the Chocolate Factory) tauscht Üppigkeit gegen Kargheit. Seine Kamera verweilt zu lange. Sie hält in seltsamen Winkeln. Sie erzeugt Unbehagen nicht durch das, was sie zeigt, sondern durch das, was sie verweigert. Ähnlich wie Morlar selbst ist der Film an der Oberfläche ruhig und darunter vulkanisch.

Und dann ist da der Ton – oder oft das Fehlen desselben. The Medusa Touch setzt Stille wie ein Skalpell ein. Schlüsselszenen spielen sich mit minimaler Musik ab, wodurch sich die umgebende Angst einschleicht: das Summen von Leuchtstoffröhren, das leise Ticken einer Uhr, das dumpfe Gebrüll einer Stadt, die nur darauf wartet, zerbrochen zu werden.

Wenn Richard Burton spricht, ist es mit einer Stimme, die diese Stille wie eine Predigt auf einer Beerdigung durchschneidet. Sein Dialog ist reich an Gift und Gravitas, vorgetragen wie eine Schrift, die von jemandem neu geschrieben wurde, der den Glauben, aber nicht die Wut verloren hat. Jedes Wort fühlt sich an, als könnte es die Wände zum Einsturz bringen.

Das Ergebnis ist ein sensorisches Paradoxon: ein Film, der emotional flach wirkt, aber emotional vulkanisch fühlt. Eine Studie in Schrecken nicht nur als Thema, sondern als Ästhetik. Die Art von Horror, die nicht schreit – sie starrt.

VI. Seiner Zeit voraus: Warum er 2025 resoniert

Sehen Sie The Medusa Touch heute, und Sie werden spüren, wie er unter Ihrer Haut kribbelt. Nicht nur wegen seiner unheimlichen Vorhersagen – Flugzeugkatastrophen, Angriffe auf religiöse Institutionen, apokalyptische Paranoia –, sondern weil seine emotionale Landschaft so sauber auf unsere aktuelle passt.

Beginnen wir mit dem Misstrauen gegenüber Institutionen. Morlars Ziele sind klar: die Justiz, die Medien, die Regierung, die organisierte Religion. Er greift keine Fremden zufällig an – er greift Symbole der Autorität an. Er sieht Systeme als von Natur aus kaputt, und darin spiegelt er eine Realität des Jahres 2025 wider, die von politischer Korruption, Medienmüdigkeit und schwindendem öffentlichem Vertrauen geprägt ist.

Da wäre auch noch die Sache mit Wut und Entfremdung. Morlar ist ein Mann, der so sehr von Verachtung für die Welt erfüllt ist, dass sie ihn lebendig auffrisst – buchstäblich, da sein eigener Geist den Körper zerstört, in dem er gefangen ist. Er ist ein Prophet für die Desillusionierten, die Entrechteten, die emotional Erschöpften. Seine innere Qual ist in einer Welt, in der Angst und Burnout zur Norm geworden sind, nur allzu vertraut.

Und dann ist da natürlich das Konzept des Geistes als Waffe. In einem postdigitalen Zeitalter, das von Gehirn-Hacks, Neuromarketing und psychologischer Kriegsführung besessen ist, fühlt sich Morlars „Macht“ weniger übernatürlich und mehr wie ein logischer Endpunkt an. Er zaubert nicht. Er denkt Dinge in die Existenz. Er ist im Grunde ein Algorithmus der Zerstörung – und in einer Ära, die von psychischer Gesundheit, kognitivem Einfluss und viralem Zorn besessen ist, ist das furchterregender als jeder Geist oder Dämon.

Man könnte The Medusa Touch zwischen einer Episode von Black Mirror und einer Vorführung von Hereditary einordnen, und niemand würde mit der Wimper zucken. Seine Betrachtungen über Schuld, Glauben, Macht und verdrängte Traumata fühlen sich spirituell verwandt mit Der Babadook. Sein klinischer Ton und seine moralische Ambiguität würden perfekt in den A24-Horror-Kanon passen.

Doch das vielleicht beunruhigendste ist, dass The Medusa Touch keine Katharsis bietet. Keine saubere Lösung. Kein besiegtes Böses. Es endet mit einer Andeutung – einem Flüstern, dass das Schlimmste erst noch kommt.

Und ist das nicht einfach so jetzt?

VII. Warum er verschwand – und warum es Zeit ist, ihn zurückzubringen

Wie kommt es also, dass ein Film wie The Medusa Touch—mit Richard Burton am Ruder, psychischer Zerstörung und einem buchstäblichen Kathedralen-Einsturz—aus dem Horror-Gespräch ausgeklammert wird?

Ein Teil der Antwort ist die Genreverwirrung. Er ist nicht ganz Horror. Nicht ganz Mystery. Nicht ganz Thriller. Er besetzt diesen seltsamen Grenzbereich, den das britische Kino einst so gut beherrschte: zerebral, düster, langsam aufbauend und schwer zu vermarkten. Es gibt keinen offensichtlichen Bösewicht. Keine „Final Girl“. Keine klare moralische Lektion. Und Zuschauer, die einen satanischen Flair im Stil von Das Omen erwarteten, bekamen stattdessen eine launische philosophische Demontage der Moderne.

Dann ist da das Timing. 1978 veröffentlicht, kam er genau zu dem Zeitpunkt, als der Horror einen Gang höher schaltete. Die übernatürliche Paranoia der frühen 70er Jahre wich den viszeralen Slashern der 80er Jahre. Halloween lauerte bereits im Schatten, und der Appetit auf grüblerische, gesprächige, symbolträchtige Geschichten ließ nach.

Und ja, Burtons schwindender Ruhm mag sein Licht getrübt haben. Zu diesem Zeitpunkt wurde er eher als Relikt denn als Zugpferd wahrgenommen – ein Shakespeare-Geist mit Alkohol im Blut und Skandalen im Schlepptau. Das Publikum wollte ihn nicht gegen die Welt wettern sehen; es war zu sehr damit beschäftigt, jüngere Stars darin schreien zu hören.

Aber täuschen Sie sich nicht: sein Verschwinden war nicht verdient. Es war keine Leistung. Es war ein kultureller Trick. The Medusa Touch wurde nicht zurückgelassen, weil er scheiterte – sondern weil er Fragen stellte, die niemand beantworten wollte.

Heute sind diese Fragen unmöglich zu ignorieren. Und dieses verlorene Juwel ist mehr als bereit zur Wiederentdeckung.

VIII. Kultklassiker oder Kanonisch? Ein Plädoyer für die Wiederbelebung

Seien wir klar: The Medusa Touch ist nicht nur kultwürdig – er ist kanon-nahe.

Er gehört in einem Atemzug genannt mit The Wicker Man, Don't Look Now und The Innocents – jenen britischen Horrorfilmen, die es wagen, langsam, intelligent und spirituell furchterregend zu sein. Er ist ein psychischer Cousin von Carrie und Scanners, ein philosophischer Onkel von Black Mirror und ein Urgroßvater des heutigen gehobenen Horrors. Das Einzige, was ihm fehlt, ist die Aufmerksamkeit.

Dies ist ein Film, der wie gemacht ist für Horror-Cineasten, besonders für jene, die sich zu esoterischem Terror, psychologischen Erzählungen und unkonventioneller Struktur hingezogen fühlen. Er ist für Fans des britischen Kinos mit einem Hang zum Dunklen und für diejenigen, die ihren Horror lieber mit einem Löffel existentieller Angst als mit einem Eimer Blut mögen.

Eine umfassende Neuauflage – in High Definition remastered, mit einem Essay im Criterion-Stil versehen und in Genre-Retrospektiven beleuchtet – wäre eine Offenbarung. Eine begrenzte Aufführung in Arthouse-Kinos. Eine Shudder-Exklusivveröffentlichung. Eine neue Welle von Rezensionen von den heutigen Meinungsmachern, die endlich erkennen werden, was der Film wirklich geleistet hat.

Und wenn sie es tun? The Medusa Touch wird nicht nur eine Kuriosität sein. Es wird eine Offenbarung sein.

IX. Wo man ihn sehen und was man als Nächstes lesen sollte

Derzeit ist The Medusa Touch auf DVD und Blu-ray von verschiedenen Anbietern erhältlich – wobei die Verfügbarkeit stark schwankt. Suchen Sie nach der StudioCanal-Edition in Großbritannien oder der limitierten Twilight Time-Edition in den USA, wenn Sie sie finden können.

Zum Streamen sollten Sie spezialisierte Dienste wie Shudder, MUBI oder Arrow Player prüfen, wo oft übersehene Juwelen ein neues Leben erhalten. Wenn das nicht klappt, lohnt es sich, in Second-Hand-Läden oder digitalen Marktplätzen nach einer physischen Kopie zu suchen – sie verdient einen würdigen Platz in Ihrem Regal.

Um tiefer einzutauchen, kombinieren Sie den Film mit Lektüre, die seinen Kontext bereichert:

Es ist eine Geschichte, die am besten lebt, wenn sie weitergegeben wird.

X. Schlussfolgerung – „Er lebt noch … irgendwo.“

In den letzten Momenten des Films, als sich der Staub legt und die Behörden aufatmen, verweilt ein Flüstern.

Er lebt noch. Irgendwo.

Es ist nicht nur eine Wendung der Handlung. Es ist eine Prophezeiung. Denn The Medusa Touch wurde zwar begraben – unter Jahrzehnten der Obskurität, unter den Trümmern falsch etikettierter Genres und vergessener Namen –, aber er starb nie wirklich. Er wartete einfach. Glimmend. Beobachtend. Denkend.

Jetzt ist die Zeit, ihn zurückzuholen.

In einem Zeitalter, das von Inhalten besessen ist, die beißen, schockieren oder schreien, denkt dieser Film. Und das ist weitaus gefährlicher. Es ist ein psychischer Schrei im Tweed-Anzug. Eine Predigt für die Verdammten. Eine letzte Warnung, die von einem sterbenden Mann überbracht wird, der Gott sein könnte – oder schlimmer.

Also schaut ihn euch an. Erzählt es anderen. Verbreitet den Gedanken.
Lasst The Medusa Touch wieder denken.

 

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